Freiheit, die ich meine!

Freiheit ein Wert, der mit ganz unterschiedlichen Bezugspunkten in Verbindung gesetzt wird. Wichtig ist, dass mein Gegenüber meine Bezugspunkte kennt. Was verbindet er oder sie mit Freiheit?

Freudestrahlend erzählt Marianne (meine Frau) Inga (unsere Kollegin) von ihrem ersten Tandemflug mit dem Paragleitschirm vom Zwölferkogel, bei strahlendem Sonnenschein über den Wolfgangsee im Salzkammergut hinab nach St. Gilgen. Es ist eines ihrer Big Five for Life, das sie sich dort erfüllen konnte.

Fast 20 Minuten hat sie das Gefühl und die Aussicht genießen können. Als Inga sie fragt, ob sie es noch einmal machen würde kommt ein freudiges „Ja“, unterstrichen von einem heftigen Kopfnicken. „Oh, dann könnten wir doch gemeinsam an einer Schulung zum Paragleitschirm- fliegen teilnehmen und in Zukunft gemeinsam fliegen?“, frage ich sie. Marianne reagiert nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Sie reagiert verhalten und Inga sagt lachend „Ja, da fühlt man sich dann gar nicht mehr so frei, wenn man selber steuern muss. Im Tandem fliegen ist sicherlich eine ganz andere Freiheit, als selbst zu fliegen“. Marianne bestätigt ihr dies.

Ich bin wie vom Donner gerührt. Freiheit, wenn sie mit einem Piloten im Tandem fliegt?! Der Pilot steuert und sie und Inga empfinden das als Freiheit. Freiheit ist doch, wenn ich selbst steuere und bestimme wo es hingeht. Ich bin verblüfft und sage das auch, die Vehemenz mit der ich reagiere macht mich stutzig. Irgendetwas hat mich berührt. Etwas hat mich verwirrt und als ich mich setze kommt mir zunächst die Frage nach dem „Warum?“ und dann die Frage „Wo sehe ich das genauso?“

Es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Ja, ich würde lieber den Schirm selber lenken und beim Fallschirmspringen konnte ich ja genau das auch schon machen. Die Frage, die ich mir jetzt aber stellen sollte lautet: „Wo überlasse ich einem Dritten gerne die „Pilotenfunktion“ und empfinde das Gefühl „geflogen“ zu werden als Freiheit?“

Ich fahre gerne mit der Bahn, ich lasse mich „fahren“, ich empfinde das als ungeheure Frei- heit! Ich steige ein, lasse mir einen Tee servieren, lese und arbeite und komme frisch und munter am Zielbahnhof an. Ich muss mich nicht über Staus ärgern und mich nicht ständig auf das Autofahren konzentrieren. Für viele Menschen ist genau das aber keine Freiheit. Nicht selbst das Steuer zu führen, nicht jederzeit stoppen zu können, abhängig zu sein vom Fahrplan und sich im Zweifel auch noch mit ausgefallen Zügen und Verspätungen auseinander zu set- zen.

Das klingt ziemlich ähnlich, nur für mich ist das eine Seite, mit der ich leben kann, die mich nicht wirklich stört. Mir ist die Freiheit lesen und arbeiten zu können wichtiger als die Freiheit das Steuer zu führen. Marianne ist die Freiheit, die Aussicht und das Gefühl zu genießen und sich um nichts kümmern zu müssen wichtiger als die Freiheit, der Pilot zu sein. Freiheit ist für uns beide wichtig. Beide genießen wir die Freiheit, die Freiheit, die wir meinen.

 

© Tilo Maria Pfefferkorn

 

„Das Leben gestalten mit den Big Five for Life“ von John P. Strelecky, gelesen von Tilo Maria Pfefferkorn. Hier geht es zum Shop.

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Von |2018-08-15T21:24:34+00:0018. Mai, 2018|News, Vorträge|0 Kommentare

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